Geschichte

116 Jahre Schülerkonzerte
( vgl: Hundert Jahre Hamburger Schülerkonzerte, Musikausschuss der GEW, Hrsg, Hildegard-Junker-Verlag, 1998)
Das erste in Hamburg (und vermutlich sogar in Deutschland) veranstaltete Konzert für Schüler – genauer: für Volksschüler – fand am Sonntag, den 3. April 1898 um 14 Uhr im Concerthaus Hamburg statt und kostete 10 Pfennig Eintritt. Das Konzert hatte u. a. die Sinfonie G-Dur mit dem Paukenschlag von Josef Haydn auf dem Programm, begann also sozusagen mit einem Paukenschlag! Dies Konzert für Schüler war ein außergewöhnliches Ereignis, war damals doch die Kulturwelt Hamburgs noch von Klassenschranken geprägt. Das Konzert war aber nicht nur der Beginn einer neuen Form der Musikvermittlung, sondern auch ein neues Element der pädagogischen Reformbewegungen am Ende des 19. Jahrhunderts, deren oberste Ziele zusammengefasst werden können als: Abbau von Bildungsprivilegien und Verwirklichung von Chancengleichheit.
Organisiert wurde das Konzert von der „Lehrervereinigung zur Pflege der künstlerischen Bildung“. 1923 gingen dann Leitung und Betreuung an den „Musikausschuss der Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesen“ (jetzt: GEW) über, wo sie bis heute in Zusammenarbeit mit der Schulbehörde und der Kulturbehörde verblieb.
Der Grundgedanke der Musikvermittlung auch für Volks(heute: Haupt-)schüler und das erfolgreiche Hamburger Modell wurden inzwischen von anderen Bundesländern übernommen.
Über vier Jahrzehnte, bis 1988, wurden die Konzerte (am Sonnabendvormittag) hauptsächlich von den Hamburger Philharmonikern durchgeführt, dann wurde ein Teil ihrer Generalproben für die Schülerkonzerte genutzt, so dass auch dann keine Honorarforderungen an den Musikausschuss gestellt wurden. Inzwischen beteiligen sich unterschiedliche Orchester, Kammermusikgruppen und Einzelmusiker an diesem Modell der Einbeziehung außerschulischer Musik- und Kulturorte in den Unterricht, die allerdings auf Honorarzahlungen angewiesen sind.
Wurden lange Zeit fast wie im Musikunterricht die Komponisten der Stücke vorgestellt, die Musikstücke in Teilen erläutert (also Unterricht gemacht) und danach im Ganzen durchgespielt (ein Konzert durchgeführt), so haben sich die Schülerkonzerte entsprechend den Gegebenheiten einer sich wandelnden Gesellschaft und den damit veränderten Ansprüchen an den Unterricht angepasst: Erläuterungen werden meistens nicht mehr akademisch durchgeführt, sondern in offenere Formen wie z.B. kleine Spielszenen eingebaut; die Schüler werden durch Aktionen wie rhythmisches Klatschen oder mit kleinen Singstücken in die Gestaltung mit einbezogen; auf der Bühne passiert oft mehr als „nur“ die Musik, Tänzer, Pantomimen, Erzähler oder sogar Clowns werden mit einbezogen.
Die „Hamburger Schülerkonzerte“ haben sich zwar zum Ziel gesetzt, auch den so genannten bildungsfernen Schichten den Bereich der Musik in unserer Kultur nahe zu bringen und laden deshalb vorwiegend geschlossene Schulklassen und Lerngruppen ein, aber sie wollen nicht dogmatisch sein und sind auch für andere interessierte Gruppen, Eltern und Gäste offen.
Wenn auch bestimmte Musikstücke immer wieder erwünscht und angeboten werden, so mischen sich doch mehr und mehr ungewöhnliche Programme dazu wie z.B. ein reines Schlagwerk-Konzert mit den Percussionisten von „elbtonal“ oder ein Konzert mit Stücken von Kinderkomponisten, die bei „lʻart pour lʻart“ einen Kursus gemacht hatten. Ein Konzert wurde auch von musizierenden Kindern bestritten, die gern noch die Fragen der neugierigen Schüler beantworteten, wie sie denn zu ihrem Instrument kamen, wie viel sie üben mussten etc.
Die Konzerte finden seit der Einführung des „LAZM“ (Lehrerarbeitszeitmodell) üblicherweise an Schulvormittagen statt, um unbezahlte Überstunden für die Lehrer zu vermeiden. Bei den Abendkonzerte sind die Schüler Gäste unter dem normalen Konzertpublikum.
Konzertbesuche sind für viele Schüler „Neuland“ und sollten deshalb im musikalischen sowie im sozialen Bereich vorbereitet werden. Seit 1989 werden in unregelmäßigen Abständen im Hildegard-Junker-Verlag Hefte mit Unterrichtsmaterialien zu häufiger gespielten Stücken herausgegeben.
Zu bestimmten Konzerten, besonders denen, die sich an Grundschüler und deren oft fachfremd unterrichtende LehrerInnen wenden, werden auch Lehrerfortbildungsveranstaltungen angeboten, die seit einigen Jahren vom Landesmusikrat, der Landesmusikakademie oder dem Li und dem Musikauschuss selbst organisiert werden.